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Wie Corona Familien agile Prinzipien näherbringt.

Der 16.03. hat unser Leben in Hessen von einem auf den anderen Tag umgekrempelt. Alles was sicher und stabil lief, Arbeit, Kinderbetreuung, etc. wurde sich von einem auf den anderen Tag in Frage gestellt. Schule zu, Kita zu und nebenbei arbeiten, wie soll das gehen?

Wenn man Organisationen betrachtet, gibt es ganze Abhandlungen darüber was man tun kann, wenn der eigene Markt zusammenbricht, sich schlagartig verändert oder von einem Mitbewerber übernommen wird. Dort wird es „Disruption“ genannt.

Wie man damit umgeht, das ganze abschwächen oder verhindern kann ist in viel Literatur, Blogposts und Videos ausführlich beschrieben. Die Storys vom Marktführer zum Bankrott („gekodakt“) oder Nischenhersteller („Nokia“) sind gut dokumentiert.

Maßnahmen zum Gegensteuern sind auch bekannt. Auch im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus und der Covid-19-Erkrankung gibt es schon Beispiele in der Hotellerie.

Warum schreibe ich von Organisation? Unternehmen sind Organisationen, aber nicht jede Organisation ist ein Unternehmen. Familien sind letztendlich ja auch eine Form von Organisation, wenngleich ohne die (rechtliche) Möglichkeit, jederzeit ein- oder auszutreten.

Warum sollten also diese Erkenntnisse nicht hier auch in anpasster Form gelten? Immerhin gilt das Prinzip VUCA auch in dieser Situation für Eltern und Kinder:

  1. Ob, wie und wann die Rahmenbedingungen sich wieder massiv ändern werden, weiß man aktuell nicht. Der Schulschluss war aber schon mal ein drastischer Einschnitt (Volatilität, Uncertanty)
  2. Allen gerecht zu werden ist, mit in unserem Fall 2 Kindern (1 Schulkind, 1 Kita-Kind), einem Vollzeit-Arbeitenden und einer mit recht umfangreichen Hausarbeiten Geplagten, ziemlich komplex (Complexity)
  3. Die Fakten zu Corona liegen einigermaßen auf dem Tisch, Fallzahlen und Informationen werden täglich aktualisiert. Trotzdem ist die Haltung zu Corona und den Maßnahmen stark interpretationsabhängig und gesellschaftlich durchaus gespalten. (Ambiguity). Das bedeutet aus meiner Sicht auch, dass die getroffenen und zu treffenden Maßnahmen stark von der persönlichen Prägung der handelnden Person abhängen.

Fakt ist: Alles kann, nichts muss. Der Verlauf der nächsten Wochen ist nicht absehbar. Was kann man da jetzt machen? Klar, man kann hier SCRUM einführen in Wochentakten. Vielleicht sollte man einfach mal anfangen mit zweieinhalb grundlegenden Dingen.

1. Retrospektiven

Einmal die Woche, am besten sonntags, nach dem Frühstück oder Mittagessen, da sitzt man eh zusammen, drüber reden, wie es einem in der letzten Woche so ging, was gut lief und was man vielleicht besser machen kann.

2. Dailies

Am besten beim Frühstück oder gemeinsamen Mittagessen besprechen, was man am Tag schon gemacht hat, was man noch vorhat, wobei man eventuell Hilfe braucht. (Das ist die Anregung aus Scrum, hier sollte man natürlich schauen, ob einem diese Fragen weiterhelfen und wenn nicht: anpassen.)

2,5. Wochen- / Tagesplan

Legt gemeinsam einen Wochen bzw. Tagesplan fest, um ein bisschen Struktur in den Alltag zu bringen. kanban.family hat da ein paar gute Vorschläge. Wir haben den Plan mit Schrift und Bildern, damit auch das Kita-Kind mit dem Plan klarkommt und weiß, was als nächstes kommt.


Man kann davon auch großzügig rückschließen, dass so etwas wie agiles Mindset, iteratives Anpassen, weniger beharren auf starren „Regeln“ – der Wochen- und Tagesplan kann ja durchaus angepasst werden durchaus auch bei Familien hilft. Und reden. Viel Reden. Erklärt den Kindern was gerade insgesamt los ist. Was bei euch los ist. Wie man gemeinsam das ganze angehen kann und will.

Das macht den Ausblick für die Kinder besser und auch als Elternteil kann man dabei auch noch mal für sich reflektieren. Versuche ich gerade mir zu viel zuzumuten? Mach ich doch mal den Fernseher an? Immerhin gibt’s nun morgens auch auf vielen Sendern kindgerechtes Bildungsfernsehen. Dann ist das Gewissen hoffentlich auch ein bisschen erleichtert.

Links für Eltern

Wer hier ein paar Links beisteuern kann oder will, gerne in die Kommentare.

Von Christian Jung

Ich bin Entwickler bei der DB Systel und erstelle nebenberuflich kleine Websites für kleine Unternehmen und Privatpersonen. Ich bin Open Source Fan und Blogger.

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